„Ohne ehrenamtliche Helfer ist die Integration der Flüchtlinge nicht möglich.“

SPD/GRÜNE/WFB-Mehrheitsgruppe im Kreistag informiert sich über die Arbeit des Präventionsrats in Visselhövede.


„Ohne ehrenamtliche Helfer ist die Integration der Flüchtlinge so nicht möglich“, so Gustav Stegmann vom Präventionsrat in Visselhövede. Wie wichtig und umfangreich die Arbeit der Ehrenamtlichen bei der Bewältigung dieser großen gesellschaftlichen Herausforderung ist, davon konnten sich die Mitglieder der Mehrheitsgruppe im Kreistag vor kurzem selbst überzeugen. Visselhövede habe zurzeit 180 zugewiesene Flüchtlinge, die Zahl der ehrenamtlichen Helfer belaufe sich dagegen auf etwa 35 „Paten“. „Sollten wir dieses Jahr die gleiche Anzahl an Flüchtlingen wieder bekommen, könnte dies von unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht mehr bewältigt werden. Dann sind unsere Grenzen erreicht“. Neben der Betreuung bei Behördengängen, bei der Arbeitssuche, der Sprachvermittlung und bei Arztbesuchen, würden auch Nähkurse im alten Bahnhof von Visselhövedein deutscher Sprache angeboten. Während  Balkanflüchtlinge wegen der Einstufung ihrer Heimatländer als „sichere Herkunftsländer“ und ihrer  bevorstehenden „Rückführung“ dorthin, wenig  Interesse hätten Deutsch zu lernen, träfe dies für syrischeKriegsflüchtlinge nicht zu. Hier sei der Wille zur Integration in Deutschland vorherrschend.

Gustav Stegmann wies auch darauf hin, dass „vor Ort eine Vernetzung der Unternehmer“ bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen für Flüchtlinge wichtig wäre.
Ebenso wichtig wäre ein kostenloses WLAN Angebot, damit Familienangehörigein den Kriegsgebieten regelmäßig Kontakt mit ihren Familienmitgliedern in Deutschland haben könnten.

Nicht immer konfliktfrei verlaufe die Zusammenarbeit mit den Stellen im Kreis.

Mitglieder der SPD-GRÜNE-WFB-Gruppe trafen sich in
Visselhövede mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern.

So dauerten die Freigaben für eine Facharzt-Überweisung „gefühlt viel zu lange“. Stegmann bemängelt, dass „es nicht sein kann, dass nur allein die Freigabe mehrere Wochen dauert.“ Auch beim Sozialamt des Landkreises -nur für die Belange der Flüchtlinge zuständig- werde häufig mit Verweis auf die viel zu zahlreichen Aufgaben und Einzelfälle eine lange Bearbeitungszeit eingefordert, was zum Teil anschließend von anderen Stellen der Behörde falsch ausgelegt werde. „Wenn z.B. eine Unterstützung für eine besondere Leistung beantragt wird, diese abererst nach mehr als 8 Wochen zur Auszahlung kommt, unterstellt eine andere Stelle der gleichenBehörde, dass diese Zahlung auch aus eigenen Mitteln hätte geleistet werden können. Dass die betreffenden Personen in ihrer Not aber das Geld bei Dritten (Familie, Freunde, Bekannte) geliehen haben, ist dort kein stichhaltiges Argument.“ Auch führe diese lange Bearbeitungsdauer zu einer unnötigen Mehrarbeit bei den „Paten“, die alle diese laufenden Dinge mit im Blick haben müssten.

Insgesamt erscheine die Personaldecke der Kreisverwaltung für die Flüchtlingsarbeit als zu dünn. „Wenn Teilzeitkräfte keine Vertretung haben und sich die Aufgabenbearbeitung dort türmt, ist das nicht zumutbar, nicht für die Mitarbeiter und schon gar nicht für die Antragsteller. M.E. müssen Teilzeitkräfte jeden Tag die ihnen vorliegenden Fälle erledigt haben oder sie müssen sie an andere Vollzeitkräfte weiterreichen“, so der Vorsitzende des Präventionsrates. Nur so könne eine ständige Verfügbarkeit in der Sache herbeigeführt und lange, unerträgliche Wartezeiten vermieden werden.
Weiterhin wäre es sinnvoll, „wenn geschulte, erfahrene Menschen den ehrenamtlichen Helfern vor Ort bei Bedarf für eine Supervision zur Verfügung stehen.“ Das wäre auch eine lohnende Aufgabe für den Landkreis, um das Helferpotential auf lange Sicht nicht zuverlieren.    
Auch eine bessere gesellschaftliche Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit wünscht sich der Vertreter des Präventionsrats. „Für die Ehrenamtlichen wäre es eine gute Motivation, wenn sie für ihre geleisteten Stunden eine Spendenbescheinigung bekämen, um damit ihre persönliche Steuerlast zu reduzieren. Wenn man pro Stunde € 8,50 und/oder eine monatliche Obergrenze von maximal € 100,-- festsetzen würde, wäre das bestimmt eine wertvolle Würdigung ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit, ohne die die Kommunen die anfallende Aufgaben ohnehin nicht erledigen könnten.“
„Ihre Anregungen und Hinweise wollen wir gerne aufnehmen“, fasste der Gruppensprecher der  SPD/GRÜNE/WFB-Mehrheitsgruppe Bernd Wölbern zusammen. „Wir wollen damit in eine Diskussion eintreten, wie wir als Kreispolitiker die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer, unterstützen oder gar erleichtern können.
Das alles wird nicht über Nacht gehen, aber wir haben durch den Besuch beim Präventionsrat in Visselhövedeviele wichtige Dinge gelernt.“

18.02.2016

Asyl-Gipfel für den Landkreis Rotenburg

„Das Thema ist nicht neu und es ist ernst. Zu ernst, um sich die Zuständigkeiten gegenseitig zu zuschieben“, so SPD-Kreisvorsitzender Klaus Manal aus Ebersdorf.
Die Kreis-SPD plant darum einen „Asyl-Gipfel“ für den Landkreis Rotenburg, bei dem Akteure und Entscheider aller politischen Ebenen zu Wort kommen und sich austauschen sollen. Auch die verschiedenen Unterstützer-Initiativen im Landkreis und andere gesellschaftliche Gruppen sind aufgerufen, an diesem Gipfel teilzunehmen.
Die Konferenz soll im Herbst/Winter diesen Jahres stattfinden und wird vermutlich nur ein erster Auftakt zum Thema „Aufnahme von Flüchtlingen und Hilfesuchenden“ sein. Entstanden ist diese Idee im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung von  Mitgliedern der Kreistagsfraktion und Vertretern des Kreisvorstandes der SPD in Sittensen.

SPD-Chef Manal freut sich besonders über die Unterstützung aus Land und Bund: Petra Tiemann MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Landtagsfraktion und Lars Klingbeil MdB,  Vorsitzender der SPD-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen im Bundestag,  begrüßten die gemeinsame Initiative ausdrücklich und sicherten den Initiatoren, Bernd Wölbern und Klaus Manal, ihre volle Unterstützung zu diesem wichtigen Thema zu.

Aktuell stimmt die SPD Termine mit den zuständigen Stellen in Hannover und Berlin ab.
Nach Festlegung von Termin und Veranstaltungsort, sollen so zeitnah wie möglich die im Landkreis Rotenburg aktiven Gruppen und Einrichtungen, die sich bei der Betreuung von Asylsuchenden bisher schon so hervorragend eingebracht haben, eingeladen werden.
Hierzu wäre es hilfreich, wenn sich die entsprechenden Initiativen aber auch Einzelpersonen bereits im Vorfeld melden und ihr Interesse anmelden. „Nur so kann sicher gestellt werden, dass keine Gruppe übersehen wird, z.B. weil sie in aller Stille und im Hintergrund ehrenamtlich arbeitet“, so Manal.

Ziel des Asyl-Gipfels ist neben der Bestandsaufnahme der Ist-Situation und aktueller Problem-Lagen in offenem Austausch nach Lösungen z.B. für die Probleme bei der Versorgung der Flüchtlinge zu suchen und den Vertretern aus Hannover und Berlin die Situation im Landkreis Rotenburg aus Sicht der betroffenen und aktiven Menschen klar zu machen.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen wollen wir klar Stellung beziehen und mit Humanität Angst und Unwissenheit überwinden.
Es geht darum, mit Menschen für Menschen an menschenwürdigen Lebensbedingungen zu arbeiten.

Ansprechpartner für diese Veranstaltung ist der Unterbezirksvorstand der SPD im Landkreis Rotenburg/Wümme. Kreisvorsitzender Klaus Manal,  per Mail unter klawima22@gmail.com oder unter 0172/4525659.